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Sozial und bodenständig

Aktualisiert: 24. Mai 2023

Vor geraumer Zeit wurde ich darauf aufmerksam, dass das Wort «bodenständig» nicht für alle eine positive Bedeutung hat. Ich fiel aus allen Wolken. Bodenständig bedeutet für mich verwurzelt und geerdet, nicht abgehoben, nicht elitär, mit beiden Beinen auf dem Boden stehend, anpackend. Für andere hat es einen altmodischen, rückwärtsgewandten Anstrich.



Dasselbe erlebe ich mit dem Wort «sozial». Dieses ist für mich ebenfalls positiv besetzt, auch in Bezug auf unsere christlichen Werte. Mitglieder einer Gemeinschaft, die weniger Glück, Gesundheit oder Geld haben, nicht zurücklassen – das gehört meines Erachtens zu einer funktionierenden Gesellschaft. Für andere wiederum ist es ein Attribut der Schwäche und wird als naiv belächelt.


Wie kommt es zu diesem Bedeutungswandel von Wörtern – vor allem von einer positiven Bedeutung zu einer eher negativen? Der sogenannte Dysphemismus wird in der politischen Rhetorik eingesetzt. Dabei findet eine bewusste Abwertung der gegnerischen Position statt. So können an sich neutrale Ausdrücke für die eigene Sache «eingespannt» werden.


Das Wort-Paar «sozial und bodenständig» kann aus diesen Gründen als Gegensatz gelesen werden. Solche (vermeintlichen) Gegensätze sind oft ein spannendes Paar. Sie ermöglichen einen echten Diskurs, führen zu konstruktiver Spannung, lassen ein Thema von verschiedenen Seiten beleuchten – und bringen uns so einen Schritt weiter.


Ein Exkurs dazu zum Klimaschutzgesetz. Das Argument, dass wir als kleine Schweiz sowieso nichts beitragen können, verhebet nicht. Wenn man in Zusammenhängen denkt, kann Folgendes ein realistisches Szenario sein: Wir sind reich. (Beweis: Für die Unterstützung von egoistisch wirtschaftenden obersten Bankenmanagern sprechen wir in einer undemokratischen Übung Milliarden für ein Auffangnetz.) Wir haben Startups, viel Know-how, gut ausgebildete Leute in Forschung und Gewerbe. Das Klimaschutzgesetz fördert die Entwicklung von neuen Technologien, welche dann auch in anderen Ländern angewandt werden. So machen diese Länder nicht die gleichen CO2-Ausstoss-Fehler wie wir – was wiederum die Sicherheit aller Erdenbewohnenden erhöht, also auch unsere. Sie sehen, das ist bodenständig (nicht zuwarten, sondern handeln) und sozial (an andere und unsere Nachkommen denken).


Abschliessend noch eine kleine Prise Humor, welcher auf leichte Art eigene Denkmuster hinterfragen lässt.


Sozial – und doch normal.
Lieber bodenständig als ständig am Boden.

In der Hoffnung, Ihnen ein kleines Lächeln entlockt zu haben, wünsche ich Ihnen guten Boden unter den Füssen und freundschaftliche Begegnungen.

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