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Gleich berechtigt

Liebe Glarnerinnen und Glarner. In meiner letzten Kolumne vor den Wahlen lasse ich Sie gerne an den Gedanken teilhaben, welche mich persönlich im Wahlkampf beschäftigen.


Für das erste Thema schaue ich 20 Jahre zurück, als ich mit unserem zweiten Kind hochschwanger und das erste gerade ein Jahr alt geworden war. Durch einen Rücktritt wurde im Landrat ein Sitz frei und ich war an der Reihe, um nachzurutschen. Sie verstehen, dass ich in dieser Situation dem Mann auf der Liste nach mir den Vortritt gab. Ich bereue meinen Entscheid von damals nicht, stand und steht für mich die Familie an erster Stelle.


Nun ist die Situation eine andere: die ältesten Kinder ausgeflogen, der Jüngste 16 Jahre alt. Auch alles andere passt für eine Kandidatur in den Nationalrat. Und ich werde gefragt: «Warum nehmen Sie in Kauf, einen Glarner Frauensitz in Bern zu verhindern?» Was sind die Erwartungen dahinter? Soll meine Mitkandidatin oder ich verzichten, gerade weil wir Frauen sind und nur, damit es eine von uns schafft? Soll ich, wie vor 20 Jahren, zurückstehen wegen meines Geschlechts? Echte Gleichberechtigung sieht anders aus, denn da stehen Kompetenz und politischer Gestaltungswille im Mittelpunkt.



In der gleichen Situation würde niemand auf die Idee kommen, dem einen Mann zu sagen, er «gefährde» den anderen Mann. Ich persönlich freue mich, dass wir der Glarner Bevölkerung eine echte Wahl bieten und hoffe, dass Sie das auch so sehen.


Das zweite Thema, das mich beschäftigt und welchem ich auf meinen Sonnenschirm-Touren durch die Dörfer begegne, ist die grosse Sorge vieler Menschen über den Anstieg der Lebenshaltungskosten. Familien mit einem normalen Budget kommen in Bedrängnis. Viele sehen sich auch deswegen durch die Zuwanderung bedroht. Diese Sorgen sind mir nicht egal. Diese Probleme müssen wir angehen – nicht mit Angstmacherei, nicht mit Scheuklappen, sondern mit Vernunft und Ausgewogenheit. Die Normalverdienenden: gleich berechtigt.


Unter dem Sonnenschirm reden wir auch oft über das Gesundheitssystem und wie wir es schaffen, die Qualität hochzuhalten, ohne dass Pflegende und Ärzte ausbrennen. Dass die ältere Generation weiter würdevoll betreut werden soll und die Kosten nicht explodieren. Auch das ist eine Knacknuss, die mit einer besseren Koordination unter den Akteuren und guter Patienten-Information angegangen werden kann.



Persönlich hat mich diese Thematik für den Landrat motiviert – damit der Mensch wieder im Mittelpunkt steht. Keine Zweiklassenmedizin, sondern auch hier: gleiche Berechtigung auf gute Gesundheitsleistungen.


Dies meine Gedanken. Sie selbst machen sich ihre eigenen und treffen Ihre Wahl. Sie bestimmen, und so soll es sein.


Glarner Nachrichten 22.09.2023
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